Benno GeigerÖsterr. Kunsthistoriker, Kunsthändler, Schriftsteller und Übersetzer
* 21.02.1882 in Rodaun (heute zu Wien)
† 26.07.1965 in Venedig

Name

  • Pseudonym: Egon E. Nerbig

Vita [1]

Benno Geiger war der Sohn der Malerin Pauline Geiger und Enkel des Arztes Georg Julius von Schultz. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er bei der Mutter und deren Schwester Ella Adaïewsky in Venedig. Von 1884 bis 1889 lebte er bei Verwandten im livländischen Dorpat. Er besuchte die Schule in Venedig und danach eine Handelshochschule. Ab 1901 studierte er Kunstgeschichte, Musik und Germanistik an der Universität Leipzig und der Universität Berlin. 1910 wurde er an der Universität Berlin mit einer Arbeit über den Maler Maffeo Verona zum Doktor der Philosophie promoviert. Von 1910 bis 1914 wirkte er als Assistent am Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin.

Später hielt sich Geiger vorwiegend in Venedig auf, wo er als freier Schriftsteller und Kunsthändler tätig war. Ausgedehnte Reisen führten ihn u. a. nach Rom, Paris und Wien. Er beschäftigte sich mit italienischer Kunst und pflegte u. a. Kontakte zu Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Stefan Zweig. Wie Donald A. Prater und Oliver Matuschek wies Geiger [2 ] später auf Zweigs damalige Tendenz zum Exhibitionismus hin [3]. Wegen seines Geschäftsgebarens als Kunsthändler hatte Geiger von Wien nach Venedig gehen müssen, von dort wurde er aus denselben Gründen 1931 vom italienischen Innenministerium ausgewiesen [4]. Danach hielt er sich in Oppenau/Schwarzwald, in der Schweiz und in Frankreich auf. Im Jahr 1935 konnte er nach Venedig zurückkehren [5]. Geiger war Mitglied der NSDAP [4]. Im November 1938 war er an der Arisierung von drei Aquarellen Rudolf von Alts und vier Aquarellen Jakob Alts aus dem Besitz des Wiener Rechtsanwalts Norbert Klinger mit 9 % Provision beteiligt [5]. Da Vater und Sohn Alt zu den Lieblingskünstlern Hitlers gehörten, nötigte Geiger auch der Tochter Rudolf von Alts den Großteil des in ihrem Besitz befindlichen Nachlasses ab [6]. 1942 und 1943 begleitete er Franz Kieslinger und Kajetan Mühlmann bei ihren Beschaffungsaktionen in Italien [7].

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Geiger wieder in Venedig.

Benno Geiger verfasste neben kunsthistorischen Essays vor allem Gedichte, die stark von seinen Eindrücken in seiner Wahlheimat Italien geprägt waren und für die er sich häufig klassischer Formen bediente. Daneben übersetzte er Dante und Petrarca ins Deutsche. Für sein übersetzerisches Werk erhielt er 1959 den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Verwandtschaft

  • Mutter: Pauline Geiger, Malerin
  • Tante: Ella Adaïewsky
  • Großvater (mütterlichseits): Georg Julius von Schultz, Arzt

Quelle

[1] Wikipedia »Benno Geiger (Schriftsteller)«, https://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Geiger_(Schriftsteller)
[2] Benno Geiger: Memorie di un Veneziano. Florenz 1958; Treviso 2009
[3] Klemens Dieckhöfer: Stefan Zweig (1881–1942) und die Bedeutung des Bionegativen in seinem Leben. Ein Beitrag zur Frage seines Exhibitionismus und als Kommentar aus psychiatrischer Sicht. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015, S. 129–135, hier: S. 129
[4] Meike Hopp: Kunsthandel im Nationalsozialismus: Adolf Weinmüller in München und Wien, 2012, S. 156
[5] Meike Hopp: Kunsthandel im Nationalsozialismus: Adolf Weinmüller in München und Wien, 2012, S. 277
[6] Meike Hopp: Kunsthandel im Nationalsozialismus: Adolf Weinmüller in München und Wien, 2012, S. 279
[7] Meike Hopp: Kunsthandel im Nationalsozialismus: Adolf Weinmüller in München und Wien, 2012, S. 157

Bildnachweis

[1] »Bildnis des Dr. Benno Geiger«, Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Tomasz Gąsior, https://smb.museum-digital.de/singleimage.php?resourcenr=166964